Dienstag, 12. April 2011

Viaje a la Isla del Sol

"Es ist wie im Paradies hier! Mit Worten ist es unmoeglich, das alles hier zu beschreiben. Trotzdem werde ich es versuchen. Gestern Morgen fuhren wir - Evelyn und ich - von Copacabana aus los - anderthalb Stunden auf die Isla del Sol. An der Nordseite legte das Boot an und die Wanderung auf die Suedseite sollte 3 Stunden dauern. Wir liefen los und blieben alle paar Minuten stehen - die Landschaft war einfach atemberaubend. Der Blick auf den tiefblauen, glitzernden Titicacasee, auf die andere Seite - das Festland Perus -, nach oben, wo die schoensten Wolkenformationen waren (und auch heute wieder sind), die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe, und diese unendliche Weite und Stille, die einen umgibt. Die erste lange Pause machten wir an einem Vorsprung aus Fels direkt ueber dem See. Das war zum ersten Mal auf dem Weg als ich dachte: Hier koennte ich mein Leben lang bleiben. Ich weiss nicht, was dieser See ausstrahlt. Es ist eine Art friedliche Ruhe, eine Ausgeglichenheit, die man nur ganz selten spuert. Vielleicht genau das Gefuehl, das man in La Paz zwischen all den Menschen, Bussen und Strassen nicht so leicht findet und vermisst. So anstrengend die Wanderung teilweise war, so sehr habe ich gespuert, wie mein Koerper aufatmet und mein Kopf frei wird. Obwohl ich La Paz schon wieder vermisse, habe ich durch die 2 Tage in der Natur wieder an Leichtigkeit und auch Zufriedenheit gewonnen. Die Wanderung Richtung Sueden ging weiter und wir kamen an alten Inkaruinen aus dem Jahr 800 v. Ch. vorbei. Unvorstellbar, wie damals das Leben dort gewesen sein musste. Und wieder strahlte dieser Ort so etwas Geheimnisvolles, Magisches, fast schon Heiliges aus. Immer wieder machten wir auf der restlichen Wegstrecke Halt um uns einfach hinzusetzen und die atemberaubende Umgebung - die Pflanzen, den Himmel, die Felsen, die Farben, den Titicacasee - auf uns wirken zu lassen. Vielleicht wuerden wir nie wieder hier hinkommen. Und vielleicht findet man nirgendwo auf der Welt einen vergleichbaren Ort. Nicht nach 3 sondern nach 6 Stunden kamen wir im Sueden der Insel an. Wenn ich es nicht besser wuesste, wuerde ich sagen, dass uns der Weg direkt ins Paradies gefuehrt hat. Ich glaube nicht, dass ich je in meinem Leben an einem wundervolleren, zauberhafteren Ort gewesen bin. Man kann das nur sehr schwer jemandem beschreiben, der noch nie hier war. Ich sitze hier auf dem kleinen Vorplatz unseres Hostals, weit unter mir terrassenfoermig angelegte Felder, die in allen moeglichen Gruentoenen leuchten und an das Ufer des Titicacasees angrenzen. Dort liegen einige winzige weisse Boote und schaukeln im Wasser. Man hoert Voegel zwitschern, Isekten zirpen, ab und zu ein Schaf bloeken oder einen Esel. Und dazu das leise Rauschen der Wellen. Rechts von mir befindet sich das Dorf. Kleine Haeuser, die meisten davon sind Hostals. Man sieht die Einwohner ihren Taetigkeiten nachgehen und Kinder laufen herum. Man hoert sie lachen. Morgens wurden die Esel mit Paeckchen auf dem Ruecken, Schafe und Lamas zu ihren Weideplaetzen getrieben. Nach einigen 100 Metern faengt wieder die gruene Landschaft an. Links von mir ist ein kleiner Wald, hinter dem es zum Hafen hinuntergeht, von wo aus man nach Copacabana zurueckfaehrt. Wenn ich aufschaue, liegt vor mir der See mit seinen unzaehligen Blautoenen, dem Geraeusch der Wellen im Wind... und es faellt mir einfach kein Wort fuer das ein, was diese Schoenheit der Natur auch nur annaehernd beschreiben koennte. Weit weg, auf der anderen Seite des Sees, sehe ich das peruanische Festland. Gruene und schwarze Huegel, scheinbar zum Greifen nah. Ich sehe Evelyn, die in einem Liegestuhl sitzt. Sie schreibt Tagebuch. Wenn sie aufblickt und auf den See schaut in die Ferne, weiss ich, dass auch ihr die Worte fuer das fehlen, was wir gerade erleben. Ueber alldem am Himmel die traumhaft schoenen Wolken... so weiss und leuchtend, so vielseitig und nah, so fest und gleichzeitig veraenderlich. Es sind nicht die Wolken, die man aus Deutschland kennt, die wie Watte aussehen und vom Wind fortgetragen werden. Es sind Wolken, die aussehen wie Schlagsahne oder Rasierschaum. Man will eine Leiter dranstellen und draufklettern. Oder wenigstens ein Stueckchen in einem Glas einfangen, um es mit nach Hause zu nehmen. Man fragt sich, wie dem Menschen so etwas Schoenes von der Natuer geschenkt werden kann. Man denkt, dass man an diesem Ort sein ganzes Leben verbringen koennte. Man moechte der ganzen Welt erzaehlen, was man gesehen hat. Und doch auch alles fuer sich behalten, weil der Moment so wertvoll fuer einen selbst ist. Und wenn ich aufschaue, haben sich die Wolken in der Ferne schon wieder veraendert. Gleichermassen unbeschreiblich. Ich bin so gluecklich, dass ich weine."

Freitag, 11. Februar 2011

Mirador Killi Killi bei herrlichem Fruehlingswetter am 2. Januar

Miezi :-)


GRRRRR!

Zwischenberichte

Noch ne erfreuliche Nachricht: Ich hab die Masern!

Und hier kommen die beiden Berichte des letzten halben Jahres:

1. 1. Zwischenbericht aus La Paz

Inzwischen bin ich schon drei Monate hier in La Paz und die Zeit vergeht wie im Flug. Als ich hier ankam kam mir die Stadt so riesig und unübersichtlich vor – ich hätte niemals gedacht, dass ich mich irgendwann auskennen und zu Hause fühlen würde. Die Straßen, Gebäude, Verkehrsmittel und nicht zuletzt die Menschen und ihre Lebensweise kamen mir so fremd vor. Dass man immer wie ein Wesen von einem anderen Stern bestaunt wird hat dieses Gefühl der Fremde noch verstärkt.

Mittlerweile habe ich mich (zumindest psychisch) ganz gut an das Leben hier gewöhnt. Ich weiß welche Minibusse ich nehmen muss, wie die Preise für Lebensmittel ungefähr sind, wo ich einkaufen gehen kann, was ich an den Straßenständen essen kann und was lieber nicht und viele Dinge mehr, die man im Laufe Zeit im Alltagsleben lernt.

An was ich mich noch kaum gewöhnt habe ist die Anstrengung, die die Höhe und das andersartige bolivianische Essen mit sich bringt. Seit ich hier bin habe ich mich noch kein einziges Mal so richtig körperlich fit gefühlt. Obwohl ich mich an manchen Tagen schon recht beeinträchtig dadurch fühle, hoffe ich immer noch, dass sich das in der nächsten Zeit bessern wird.

Meine Arbeit gefällt mir inzwischen auch immer besser. Leider gab es die ersten Wochen kaum etwas für mich zu tun und weil mir von meiner coordinadora nicht erklärt wurde, was eine Voluntärin eigentlich in meinem Projekt macht, war der Einstieg für mich sehr schwierig. Mittlerweile habe ich jedoch gelernt, mir meine Aufgaben selbst zu suchen und mich zu beschäftigen. Seit einem kurzen Gespräch mit meiner Chefin gibt auch sie sich mehr Mühe.

Obwohl es am Anfang in meinem Projekt wirklich nicht einfach war, hatte ich bisher nicht einmal den Wunsch in ein anderes zu wechseln. Von Tag zu Tag wird mir bewusster, dass dies an den Menschen liegt mit denen ich arbeite.

Das Projekt „Ex-beneficiarios“ ist für diejenigen da, die ehemals in einem der Heime der Fundación Arco Iris gelebt haben. Wenn sie aufgrund ihrer Volljährigkeit aus den Heimen entlassen werden, bedeutet das nicht, dass man sie auch aus der gesamten Fundación „entlässt“. Der Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet zwar sehr wohl, dass man den beneficiarios die Zügel für ihr Leben in die Hand gibt, aber gleichzeitig können sie weiterhin mit Unterstützung rechnen. Dafür gibt es unser Projekt, das aber erst vor kurzer Zeit ins Leben gerufen wurde. Das Ziel ist, die beneficiarios auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten und zu helfen, wenn sie auf Probleme stoßen, die sie alleine nicht lösen können.

Anfangs war ich recht ernüchtert, da mir das Projekt so toll und hilfreich erschien. Ich hatte mich sehr auf die Arbeit mit den jungen Leuten gefreut. Was mich die ersten anderthalb Monate dann leider erwartete, war Tee kochen, massenhaft Dokumente in der Administration abstempeln lassen und lange Listen für irgendwelche Aktivitäten abtelefonieren. Mit anderen Worten hatte ich kaum Kontakt mit den ex-beneficiarios. Ich hatte das Gefühl, dass ich das kommende Jahr nur im Büro herumsitzen und darauf warten würde, dass die Menschen zu uns kommen, damit meine Chefin ihnen bei Schwierigkeiten versuchen konnte zu helfen. Ich habe mich tagtäglich gefragt, wozu ich eigentlich hier in diesem Projekt bin und kam mir sehr nutzlos vor.

Nach einiger Zeit hatte ich das Glück, dass eine ehemalige Freiwillige aus meinem Projekt nach La Paz gereist kam. Sie hat mir sehr viel erklärt und mir Mut gemacht, sodass ich mir einiges mehr darunter vorstellen konnte, was eigentlich meine Aufgaben sind. Die Arbeit ist inzwischen abwechslungsreicher und macht oft richtig Spaß. Ich mache Hausbesuche um mir einen Einblick in die Lebenssituation der Leute zu verschaffen, unterhalte mich mit ihnen und erfahre dabei immer wieder ein Stück ihrer Vergangenheit, begleite sie zum Arzt oder ins Krankenhaus, bringe ihnen Lebensmittel, fahre mit meiner coordinadora zu ihren Arbeits- und Ausbildungsstellen oder zu allen möglichen Ämtern um Sachverhalte zu klären. Oftmals sind wir auch im Büro und die beneficiarios können uns aufsuchen. Einige kommen auch immer wieder auf eine kurze Unterhaltung vorbei.

Zwar kenne ich erst einen kleinen Teil der ca. 150 ex-beneficiarios, aber schon zu Beginn habe ich festgestellt, was für liebe Menschen die meisten von ihnen sind. Viele sind junge Mädchen und Mütter um die 20 Jahre, die Unterstützung bei der Zahlung der Miete, bei der Ernährung ihrer Kinder oder beim Schutz vor ihren Partnern benötigen. Ich staune immer wieder wie schnell die Mädchen hier erwachsen werden müssen. Eine 19-jährige beispielsweise ist mit 15 Jahren aus dem Mädchenheim abgehauen, hat mit 16 ihr erstes Kind zur Welt gebracht, welches ihr im letzten Jahr vom Jugendamt weggenommen wurde, da sie eine Zeitlang auf der Straße lebte, und hat jetzt ihren zweiten Sohn bekommen. Ihr Freund akzeptiert zwar seinen Sohn, nicht jedoch ihr erstes Kind. Außerdem wohnt jetzt auch noch ihre jüngere Schwester bei ihr und ihrem Freund, da diese in Gefahr schwebt ebenfalls auf der Straße zu landen.

Wenn ich mit diesem Mädchen rede und dabei denke, dass wir gleichalt sind, dann bewundere ich sie total – gleichzeitig tut sie mir aber auch leid. Bewunderung, da sie so jung ist und doch schon so erwachsen und verantwortungsbewusst ist. Und gerade deswegen fühle ich auch Mitleid. Ich frage mich, was sie von ihrer Jugend hat und ob sie überhaupt eine hatte. Auf der anderen Seit scheint es hier normal zu sein mit 20 Jahren schon ein bis zwei Kinder zu haben. Das merke ich auch immer wieder an den erstaunten Blicken, wenn ich antworte, dass ich noch kein Kind habe. In solchen Momenten denke ich, wie weit doch die Welten in denen wir leben voneinander entfernt sind.

Und trotzdem ist es gerade das, was mir so gut an Bolivien gefällt. Nichts ist so, wie ich es aus Deutschland kenne und ich frage mich so oft, wie ich jemandem der noch nie hier gewesen ist, erklären soll, was ich hier gesehen und erlebt habe. Obwohl wir auf den Seminaren sehr gut auf das Leben in Bolivien vorbereitet wurden, hätte ich mir niemals erträumen lassen, wie faszinierend und fesselnd dieses Land und seine Menschen für mich sind. Ich habe schon jetzt Angst, das alles irgendwann wieder hinter mir lassen zu müssen.



2. Quartalsbericht

Ein halbes Jahr bin ich jetzt schon hier. Und in einem halben Jahr werde ich bereits wieder von hier fortgehen.

Die Zeit rieselt mir wie Sand durch die Finger – so schnell wie noch nie in meinem Leben.

Seit dem letzten Bericht im Oktober ist viel passiert. Ich habe mich damals nicht getraut zu erzählen, wie es mir wirklich bei meiner Arbeit im Projekt geht. Ich dachte, dass ich den Anschein erhalten muss, ich sei zufrieden mit dem was ich mache. Doch eigentlich war das gesamte vergangene halbe Jahr das Gegenteil der Fall. Ich habe stets mitbekommen, wie wohl sich meine Mitbewohner inzwischen in ihren Projekten fühlen, wie gut sie sich eingelebt haben und aufgenommen wurden und die meisten in ihnen sehr in ihren Aufgaben aufgehen. Gleichzeitig konnte ich bei mir eine komplett gegenläufige Entwicklung beobachten.

Meine „Arbeit“ lief so gut wie jeden Tag gleich ab: Morgens um 9:00 Uhr kam ich ins Büro. Manchmal traf ich dort meine Chefin an, manchmal nicht. Oftmals wusste ich dann auch nicht, wo sie sich befand und wann sie wiederkommen würde. Wenn sie erst um die Mittagszeit wieder eintraf, vertrieb ich mir die Zeit solange mit Tee trinken, Lesen, Tagebuch- und Briefeschreiben. Anfangs fand ich das gar nicht so schlecht, da mir für solche Dinge sonst die Zeit fehlte.

Wenn meine coordinadora im Büro war, saß sie am Computer um Berichte oder Anträge zu tippen und ihre schlechte Laune an mir auszulassen. Derweil schaute ich zu und wartete, bis sie mir eine Aufgabe zukommen ließ. Die bestand zumeist darin, in die Administration zu fahren um die Papiere abstempeln zu lassen. Damit war ich dann zumindest eine Stunde beschäftigt. Es kam auch vor, dass ich gleich drei Mal am Tag geschickt wurde – drei Stunden Beschäftigung. Meine Vorschläge und Versuche, auf eigene Faust etwas auf die Beine zu stellen wurden mit vagen Ausflüchten ignoriert, nicht unterstützt oder einfach vergessen.

An manchen Tagen gab es natürlich auch was zu tun. Ab und zu machten wir Hausbesuche bei unseren beneficiarios oder versuchten, ihnen bei verschiedenen Angelegenheiten weiterzuhelfen.

Es machte mich nicht nur traurig mit anzusehen, wie desinteressiert die jungen Leute von meiner Chefin empfangen wurden und zu merken, dass in diesem – eigentlich sehr ausbaubaren und schönen – Projekt so gut wie nichts läuft. Bei so viel Zeit, die ich hatte, kam ich natürlich auch zum Nachdenken und mir wurde bewusst, was ich hier eigentlich mache. Ein Freiwilliges Soziales Jahr das unsozialer kaum sein könnte. Obwohl ich schon lange meine Erwartungen völlig zurückgeschraubt hatte, schrumpfte meine Motivation von Tag zu Tag mehr, verschwand schließlich ganz und es war mir so gut wie egal, was im Projekt passierte oder auch nicht passierte. Mir wurde gesagt, dass ein Projektwechsel kein einfaches Unternehmen sei, deshalb sagte ich mir: Das nächste halbe Jahr hältst du auch noch aus. Schließlich wusste ich, dass die Zeit schnell vergehen würde.

Ich war froh, dass ich während der Ferien einige Tage im Hospital Arco Iris arbeiten konnte. Eine willkommene Abwechslung und ein gutes Gefühl, endlich mal etwas zu tun zu haben und nicht ständig mit der eigenen Überforderung der Tatenlosigkeit kämpfen zu müssen.

Das Zwischenseminar Anfang Januar in Santa Cruz kam genau zum richtigen Zeitpunkt. In Gesprächen mit Betreuern und anderen Volontären schöpfte ich Mut um mich dagegen zu wehren, was mir passierte. Dass es sich eigentlich nicht lohnte, in Resignation zu versinken, war auch mir bewusst. Nur schwer zu realisieren.

Die beste Nachricht erreichte mich bereits am ersten Tag nach Ferienende: Meine coordinadora würde nicht länger im Projekt bleiben. Ihre Stelle wurde ausgewechselt und nun ist eine andere Sozialarbeiterin meine Chefin. Es sind erst zwei Wochen, die wir zusammen arbeiten, aber jeden Tag denke ich, dass das das Beste war, was mir passieren konnte. Ich dachte immer, es ist nur ein Sprichwort, aber in diesem Moment hab ich den riesigen Felsen gefühlt, der mir vom Herzen fiel. Endlich wird angepackt und gearbeitet. Und endlich kann ich mich nach einem halben Jahr auf meine Arbeit freuen. Leider fühlt es sich an, als würde ich ganz von vorne anfangen und ich werde das Gefühl nicht los, dass das vergangene Halbjahr in Hinsicht auf meine Arbeit im Projekt verschwendete Zeit war.

Viel fürs Leben gelernt habe ich dadurch trotzdem. Und besser spät als nie.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Parque Amboró

Mit Geld ist alles möglich...
Dieses Hotel mit Golfplatz wurde an den Rande des Nationalparks platziert. 56 Dollar die Nacht.



Hier begann unsere Tour





Man beachte die verschiedenen Grüntöne = Klimaveränderung

Eine Bromelie. Davon haben wir ungefähr 2 Millionen gesehen und auf jede einzelne hat unser Guide uns aufmerksam gemacht :)

Mit der Machete holen wir uns die köstlichen Innereien aus der Kokosnuss :)

Hat gut geschmeckt. Nur muss man sie eigentlich genau in der anderen Richtung aufschlagen, damit man gut an das natürliche Raffaelo kommt :)




Wir waren nicht die Einzigen im Fluss

Jelena vor der Flussdurchwanderung

Mein ausgespuckter Koka-Haufen, nachdem ich meinen Mund wieder gespürt habe

Samaipata, Cascadas y Parque Nacional Amboró

So,
jetzt bin ich wieder gut in La Paz gelandet und das frische Klima ist viel ertraeglicher als die unglaubliche Hitze in Santa Cruz. Obwohl die Sonne hier in der Höhe natürlich viel mehr knallt, wie ich heute wieder zu spüren bekam als ich den Fuß vor die Tür gesetzt habe. Kurze Info: Santa Cruz liegt auf 430 m Höhe, La Paz auf 3200 bis 4100 m. Schön ist auch, dass ich mich hier richtig zuhause fühle und wieder so schrecklich gerne durch die Straßen laufe und der Hundekacke ausweiche.

Letzten Donnerstag hat das Seminar geendet, aber weil es ausgerechnet an diesem Tag ziemliches Regenwetter gab, sind wir noch eine Nacht länger im Hotel geblieben und haben uns lecker bekochen lassen.
Freitags gings mit dem Taxi nach Samaipata, ein winziges Dörfchen aber dennoch DER Touri-Hafen der Umgebung. Von dort aus kann man ein paar nette Touren machen, wie z. B. zu einigen Wasserfällen fahren um zu baden, in den Amboró-Nationalpark wandern gehen, zu El Fuerte (einer Ruinenstätte der Inkakultur die zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde und einem UFO-Landeplatz ähnelt) oder auf den Spuren Che Guevaras wandeln und an den Ort fahren, wo er starb.

Den ganzen Samstag verbrachten wir bei den Wasserfällen (siehe Fotos unten). Welch erfrischendes Vergnügen bei der erdrückenden Hitze! :) Die ganze Natur hat echt gut getan. In La Paz sieht man mal mit viel Glück ja auch nur ein paar Grashalme... Ich konnte meinen Blick gar nicht mehr von den ganzen tollen Bäumen, Sträuchern, Lianen und kleinen Pflanzen abwenden!

Am nächsten Tag machten Jelena und ich uns schon früh auf den Weg um einen der drei Teile des Amboró zu erkunden.
Die Hitze war kaum auszuhalten, dafür unendlich viel Grün!
Wir sind 6 Stunden gewandert, haben uns die Lungen ausgekeucht und aus allen Poren triefte der Schweiß. :) Aber es hat sich voll gelohnt. Die Tour durch die Natur war einfach wunderschön, unser Guide meganett und höchst bewandert was Botanik und Klimazonen anging und der Sprung von der Klippe in den Fluss hat die ganze Anstrengung wieder kompensiert. Eigentlich war es glaube ich gar nicht so anstrengend, aber wir haben gut genörgelt - Hut ab, dass der gute Carmelo nicht ausgerastet ist sondern immer schon weiter barfuß leichtfüßig voranschritt. Waren ja auch gar keine scharfkantigen, heissen Steine oder Dornen oder seltsamen Insekten auf dem Boden... während wir mit Flipflops quengelnd hinter ihm hergekraxelt sind. Nicht dass ihr denkt, wir wären nur mit Flipflops ausgerüstet gewesen. Es war so, dass wir 4 mal den Fluss durchqueren mussten, und jedes Mal die Schuhe wieder an- und ausziehen wäre nervig gewesen. Das Versinken in den Schlammlöchern hat sich witzig angefühlt. Natürlich sind wir nur bis zu den Oberschenken versunken, nicht komplett.
Nach dem dreifachen Klippensprung und einigen Bremsenbissen (ich rede von Insekten-Bremsen) war unsere Energie flöten gegangen und Carmelo, der Führer, hat uns jeweils eine Handvoll Koka in die Backe gestopft. Das betäubt Hunger und Müdigkeit. Das erste was betäubt wurde, war meine Backe und Zunge (jedem, der ein Zungenpiercing will, kann man vor der Perforation nur wärmstens empfehlen!), aber danach bin ich wie kleiner Steinbock über Berg und Tal vorangehüpft. Hunger hatte ich bis nachts nicht mehr. Beides nicht übertrieben.

Fotos von der Wanderung kommen gleich (voraussichtlich werden sie sich über diesem Eintrag befinden).

An diesem Tag hab ich mir auch den schmerzhaftesten, fast schon lilanen Sonnenbrand seit langer Zeit geholt. Zum Glück hatte ich ein T-Shirt an und es hat nur Arme, Nacken und Dekolleté erwischt. Aber das sehr ungnädig. Sollte man nicht mit spaßen. Sollte ich als alter Sonnenbrandhase eigentlich ja auch wissen...
Möglicherweise als Schockreaktion darauf musste ich mich in der Nacht 8 mal erheben um mich zu übergeben. Eigentlich war es kein Erheben sondern ein panischer Sprung aus dem Bett um den Mülleimer noch zu erwischen. Nach dem 3. Mal kam allerdings nichts mehr aus meinem Magen und es setzte der furchtbarste, unberechenbarste Durchfall den ich je in meinem Leben gehabt habe ein. Bis um 4 Uhr morgens verbrachte ich die Nacht auf der Toilette mit dem Mülleimer umklammert in meinen Händen.
Und wer denkt, dass ich dann endlich mal schlafen konnte, liegt falsch. Als ob ich mich sowieso nicht schon erbärmlich und elend genug gefühlt hätte, haben sich die Moskitos mich total dreist und ungnädig als Festmahl ausgesucht.
Keine geruhsame Nacht.

Am Montag hatten Jelena und ich absolut keine Energie mehr irgendwas zu unternehmen. Wir hätten zwar noch Zeit für El Fuerte - UFO-Landestelle gehabt, aber schlau wie wir sind haben wir aus den Fotos geschlossen, dass es sich nicht lohnt dort hinzufahren. Das haben die anderen, die da waren, auch bestätigt.
Also fuhren wir zurück nach Santa Cruz und haben uns bis zum Rückflug am Abend im Hotel, in dem das Seminar war, aufgehalten, wo wir herzlich empfangen wurden. Der Plan war, den Snack dort mit der nächsten Freiwilligen-Seminar-Gruppe einzunehmen. Aber das hab ich bei meinem oben genannten Gesundheitszustand lieber unterlassen. An dem Tag hab ich erst abends wieder ein bisschen gegessen. Kam ja sonst alles raus. Nur 1 Minute später :)


Man kann sich gar nicht vorstellen, wie wir uns nach La Paz zurück gesehnt haben. Mit Kotzeritis, Durchfall und dreckigen Klamotten im Gepäck reist es sich nicht mehr so unbeschwert wie noch am Anfang...

Seit Montag esse ich nur noch Bananen und trinke Rotwein. Das stopft. Muss es aber auch. So schlimmer Durchfall ist kein schönes Gefühl. Da war das letzte halbe Jahr ein Klacks dagegen, obwohl das auch schon recht uncool war.

Trotz aller Vorkommnisse und Heimweh nach La Paz war das Seminar und das anschließende Reisen einfach wundervoll! So, als würde man nochmal ganz neu auftanken.


Macht's gut. Hoffentlich hat euch das Lesen gefallen.

Eure Lena



P.S.: Noch eine erfreuliche Nachricht zum Schluss: Mein Nasenpiercing ist jetzt perfekt verheilt. Das hat bestimmt die andere Klimazone ausgemacht :):)

Welcome to the jungle







"Wie Jaaaaanee!"




Nach unserem Seminar in Santa Cruz sind wir nach Samaipata gefahren, ein kleines Dorf zweieinhalb Stunden mit dem Taxi von Santa Cruz entfernt.
Von dort aus konnte man unter anderem zu den Cuevas fahren - Wasserfälle unter denen man baden kann.
Weil es sowieso um die 35°C waren, kam uns das natürlich entgegen.
War total toll und erfrischend. Nur musste man immer schön den Bikini feshalten.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Im Paradies Santa Cruz

Liebe Leser,

seit fast einer Woche befinde ich mich nun in Santa Cruz um am Zwischenseminar teilzunehmen.
Als wir aus dem Flughafengebaeude kamen traf uns erstmal gewaltig der Schlag - im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Hitze smashte uns fast um :). Es war 21 Uhr und so heiss (25 Grad), stickig, feucht, schwuel, gruen, eben (!!! in La Paz ists so huegelig, dass man keine Strasse bis zum Ende sehen kann wenn man an ihrem Anfang steht...) und sofort umgab uns ein Schutzfilm aus klebriger Luft und Schweiss :). Wir dachten nur: Wo koennen wir mal schnell zum Atmen hingehen - wo ist der Ausgang aus diesem Gewaechshaus im Zoo? (So laesst sich das Klima am besten beschreiben...)

Was auch ueberaus krass ist, dass die Menschen hier so schoene Figuren haben. Waehrend in La Paz die Mehrheit der Leute ziemlich klein, staemmig und auch mal etwas feschter (wie Evelyn sagen wuerde) gebaut ist, sind die Santa Cruzer gross, schlank und die Frauen wirklich total huebsch. In La Paz -obwohl es manchmal schon so warm ist, dass man in kurzer Kleidung auf die Strasse gehen koennte- sieht man nie einen Bolivianer, der mit kurzer Hose unterwegs ist. Und hier in Santa Cruz einfach alle. Und dann sind sie alle so wunderschoen gebraeunt! Und die Señoras haben so tolle lange Beine - ich bin so neidisch! :)

Ueberall sind hier Palmen und Straeucher, die dem Dschungel entstammen und wenn es keine Stadt waere, wuerden einem sicherlich Pumas und Tiger ueber den Weg huepfen. Ah, wo wir gerade bei Raubtieren sind: Katzen gibt es hier wesentlich mehr als im hochgelegenen La Paz. Dort hab ich in einem halben Jahr 3 gesehen - hier in einer Woche 10. Liegt wahrscheinlich daran, dass es wegen der Hoehe auch keine Maeuse und Ratten gibt. Ich vermisse Katzen!

Nervig hier ist, dass man die ganze Zeit wie ein bloed schwitzt und nichts dagegen tun kann. Alternativ sitzt man dann in eisigen klimaanlagengekuehlten Raeumen und wird erneut vom Schlag getroffen, wenn man diese verlaesst.
Noch viel schlimmer sind die ganzen Moskitos! Alle sind so schlimm zerstochen, die ganzen Mueckensprays helfen nicht viel und mit langer Kleidung schwitzt man noch mehr - welch Dilemma! :)

Freu mich schon wieder auf La Paz! Trotzdem geniesse ich es, weg zu sein. Mir gefaellt es super hier! Die 'Arbeit' im Projekt ist so weit weg - und das ist momentan mein Hauptziel fuers 2. Halbjahr.
Am Montag komm ich nach La Paz zurueck.



Bis bald meine Lieben.
Es gruesst euch herzlich eure Lenita